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Internetforum von Dr. Stefan Scheil

Anmerkungen zu Professor Rolf-Dieter Müllers
Buchbesprechung: "Adolf der Friedliebende" (FAZ, 22.6.2006)

 

Rolf-Dieter Müller trägt in seiner Polemik gegen "1940/41 - die Eskalation des Zweiten Weltkriegs" einige Punkte vor, die vielleicht auf einem tiefgreifenden Mißverständnis beruhen, in jedem Fall aber eine Richtigstellung notwendig werden lassen:

Er behauptet, ich hätte in meiner 2003 erschienenen Abhandlung 'Fünf plus Zwei - die europäischen Nationalstaaten, die Weltmächte und die vereinte Entfesselung des Zweiten Weltkriegs' versucht: "den Nachweis zu führen, daß Deutschland 1939 lediglich das Opfer einer Verschwörung geworden sei, angezettelt von chauvinistischen Polen, machtgierigen Franzosen, Briten und einem finsteren Stalin".

Warum er mich unter die Verschwörungstheoretiker zählt, bleibt ein Geheimnis des Rezensenten. In jedem Fall:. Es ist in meiner Darstellung weder von einer gegen Deutschland gerichteten internationalen "Verschwörung" der Genannten die Rede, noch wird die deutsche Mitverantwortung für den Ausbruch des Krieges 1939 bestritten. Internationale Politik fand im Jahr 1939 jenseits eines Täter/Opfer-Schemas statt, dies ist der Nachweis, den ich in meiner zwischen 1999 und 2005 vorgelegten Trilogie zu Ausbruch und Eskalation des Zweiten Weltkriegs durchgehend führe.

Des weiteren wird in der Besprechung und deren Überschrift behauptet, das aktuell besprochene Buch "1940/41 - die Eskalation des Zweiten Weltkriegs" stütze sich "hauptsächlich auf Zitate von Hitler, Goebbels und Ribbentrop", angekündigte neue Quellen "sucht man vergeblich".

Dem Konzept meines Forschungsansatzes folgend, die Machtpolitik von 1939/41 in jenem international vernetzten Zusammenhang zu zeigen, in dem sie in der Tat stattgefunden hat, stützt sich die Darstellung auf vielfältige Quellen und Literatur nichtdeutscher Herkunft, sowie teilweise neu erschlossenes deutsches Archivmaterial, darunter Erwägungen von 'Fremde Heere Ost' über sowjetische Fähigkeiten zum Offensivkrieg und über Möglichkeiten, wie ein sowjetischer Angriff abzuwehren wäre. Diese Dokumente sind im Buch teilweise abgedruckt. Im übrigen berücksichtigt meine seit 1999 in mittlerweile drei Bänden vorgelegte Darstellung (nicht erst seit 2003 und nicht nur in zwei Bänden, wie Müller fälschlich meint) auch jedes der im Nürnberger Prozeß vorgelegten Schlüsseldokumente.

 

Im Artikel wird unter Verweis auf das Standardwerk Andreas Hillgrubers über "Hitlers Strategie" eine fehlende "Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand" behauptet und später ausgeführt: "Stalin wäre durchaus zu einem Arrangement mit Hitler zur Aufteilung der Welt bereit gewesen."

Ich gehe im Buch sowohl kritisch wie zustimmend auf Andreas Hillgruber ein. Er hat mit seinen aus den Quellen nicht belegbaren Deutungen über Weltblitzkriege, Axiome und Hitlersche Stufenpläne meines Erachtens im Ganzen falsch gelegen. Gerade zu dem von Rolf-Dieter Müller vorgebrachten Punkt hat er aber bereits 1965 die Auffassung vertreten, die durch Außenminister Molotow im November 1940 in Berlin übermittelten Forderungen Stalins "setzten die Niederlage Deutschlands im Krieg gegen die Westmächte voraus". (Hillgruber, Hitlers Strategie, S. 306) Daraus und aus zahlreichen anderen Gründen, zu denen ich aufgrund der mittlerweile verbesserten Quellenlage noch etliche hinzufügen konnte, gestattete sich bereits Hillgruber den richtigen und in meinem Buch zitierten Schluß: "In der Konsequenz hieß das nichts anderes, als daß der Angriff auf Rußland 'im Rahmen des Gesamtkrieges in der Situation des Spätherbstes 1940 tatsächlich wohl unvermeidbar war, wenn Hitler nicht 'kapitulieren' wollte'." (Zit. n. Hillgruber, Strategie, S. 393, bzw. Scheil, Eskalation, S. 292)."

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