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SYMPOSION.ORG Internetforum von Dr. Stefan Scheil Der
Fall Sven-Felix Kellerhoff - ein Brief an die Zum Artikel von Sven Felix Kellerhoff "Kein ganz ganz normaler Feldzug", "Die Welt" vom 26.9.06 Sehr geehrte Damen und Herren, im Rahmen seiner Bemühungen, als Redakteur Ihrer Zeitung im Bereich Zeitgeschichte eine gewisse Kompetenz zu simulieren, hat Sven Felix Kellerhoff bereits wiederholt versucht, ihm unangenehme Standpunkte mit den für eine breitere Öffentlichkeit wenig schmeichelhaften Prädikaten "Rechtsextrem" oder "Rechtsradikal" zu versehen und damit als politisch motiviert darzustellen. Er hat in diesem Zusammenhang im o.g. Artikel nicht zum ersten Mal in Ihrer Zeitung meinen Namen genannt und behauptet: "Verbrecherisch war die Kriegsführung der Wehrmacht gegen Polen zunächst durch den unprovozierten Überfall auf den Nachbarstaat am 1. September 1939 - das bestreitet heute außer wenigen der radikalen Rechten nahestehenden Publizisten wie Stefan Scheil oder Gerd Schultze-Rhonhof niemand mehr." Herr Kellerhoff irrt. Das Gegenteil ist richtig. Selbst diejenigen Historiker, die meine in mehreren umfangreichen Bänden vorgelegte Forschungsposition in ihrer letzten Konsequenz nicht teilen und nicht wie ich von einer "vereinten Entfesselung" des Zweiten Weltkrieges ausgehen, bestreiten dennoch nicht die Mitverantwortung anderer Staaten, zu denen auch Polen gehört. Ein gutes Beispiel dafür ist die in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am 8.8.2003 geübte Kritik Professor Jacobsens an meiner Forschungsarbeit über "Fünf plus Zwei - die vereinte Entfesselung des Zweiten Weltkriegs": "Nun haben jedoch anerkannte
Historiker des In- und Auslands längst aufgezeigt, daß die Staatsmänner des
Westens, Polens (militante Rhetorik), Italiens und vor allem der Sowjetunion
(Hitler-Stalin-Pakt) durch ihre Entscheidungen in der Zeit nach 1919 eine
kaum noch zu bestreitende Mitverantwortung für das Debakel von 1939/40
tragen, jedoch der unbändige Wille zum Krieg, um strittige Probleme zu lösen,
bei Hitler am ausgeprägtesten war." Von einem "unprovozierten Überfall" auf Polen, wie Herr Kellerhoff schreibt, kann neben zahlreichen anderen Gründen (Ich nenne eine ganze Reihe davon in meinem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 17.6.2006: "Mitteleuropäische Gedankenspiele nach Versailles") allein schon wegen der von Professor Jacobsen angesprochenen militanten Rhetorik der polnischen Regierung nicht die Rede sein. Sie ist überreich dokumentiert und wird von niemandem bestritten. Die polnische Regierung ließ beispielsweise radikalen Elementen wie dem Nationaldemokraten Jedrzej Giertych (Großvater des heutigen Regierungsmitglieds Roman Giertych) freien Lauf, der in einer Artikelserie im Sommer 1939 die Zerschlagung Deutschlands und die Oder-Neisse-Linie als neue deutsch-polnische Grenzziehung forderte. Warum der Polenfeldzug schließlich wirklich "Kein ganz ganz normaler Feldzug" wurde, das hängt unter anderem mit dieser radikalen Rhetorik zusammen. Sie förderte in Polen eine Kriegspsychose und führte zu antideutschen Ausschreitungen, bei denen vor und während des Krieges 1939 in ganz Polen insgesamt mindestens dreieinhalbtausend Deutsche polnischer Staatsangehörigkeit ermordet wurden. Dies ist die Zahl der namentlich bekannten und identifizierten Opfer, zu der noch eine große Zahl an Vermißten kommt. Die Untergrundberichte der sozialdemokratischen Partei Deutschlands geben einen Einblick, welchen Eindruck diese Ausschreitungen auf die heimkehrenden deutschen Soldaten gemacht hatten: "Die Berichte der deutschen Soldaten haben um ein Vielfaches das übersteigert, was die deutsche Presse und der Rundfunk über die Vorgänge in Polen berichtet hatten. Deshalb jetzt allgemeines Verständnis für das rigorose Vorgehen der deutschen Amtsstellen in Polen." (Zit. n. Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SOPADE): Deutschland–Berichte 1934–1940, Frankfurt 1989, 1939, S. 1032.) Die vorrückenden deutschen Truppen begegneten Verschleppungen, Mißhandlungen, Mord und Totschlag an der deutschen Zivilbevölkerung vor Ort. Auch gab es zahlreiche Gefechte mit zersprengten polnischen Truppen und Bürgerwehren, die als Partisanentätigkeit interpretiert wurden und sich in der Tat immer wieder in einer kriegsrechtlichen Grauzone bewegten. Es ist bedauerlich, wenn ein Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts in Warschau wie Jochen Boehler eine Darstellung über den Polenfeldzug unter Mißachtung solch allgemein bekannter Tatsachen veröffentlicht. Daß Sven Felix Kellerhoff eine derart einseitige Position positiv würdigt, kann angesichts seiner sonstigen Einlassungen nicht überraschen. Überraschend ist jedoch, daß sich die Tageszeitung "Die Welt" im Bereich Zeitgeschichte fortgesetzt einen Redakteur leistet, der Ihr Blatt für das Austragen von Privatfehden nutzt. freundliche Grüße Stefan Scheil . . . |
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