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Internetforum von Dr. Stefan Scheil

Ein Nachsatz zur Hungerplan-Debatte zwischen Alex J. Kay und mir im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen

Alex J. Kay möchte in seinem Beitrag vom 13. Juni 07 die "hoffentlich letzte Runde" in unserer Kontroverse um die deutschen Planungen für das Unternehmen Barbarossa einläuten. Seine Agitation bildet dafür jedoch keine Basis. Kays Beitrag erzwingt im Gegenteil eine kurze Anmerkung zur Wahrung der argumentativen Standards.

Wie radikal auch immer man den gedanklichen Hintergrund einzelner Formulierungen in Planungsdokumenten über die beabsichtigte Besatzungspolitik vor dem ‚Unternehmen Barbarossa' oder die zwangsläufigen wirtschaftlichen Folgen eines Rußlandkrieges ausdeuten will: Am Ende standen keine Anordnungen, in der UdSSR Millionen Menschen verhungern zu lassen, weder Zivilisten noch Kriegsgefangene. Dies ist der Stand der Dinge, an dem Kays kämpferische Montage einzelner scheinbar entgegengesetzter Zitate nichts ändern kann. Einen ‚Hungerplan' gegen die sowjetische Bevölkerung hat es nicht gegeben. Auch die später tatsächlich in Gang gesetzte Besatzungspolitik läßt derartiges nicht erkennen.

Die Befehle zur Behandlung der russischen Kriegsgefangenen zielten ebenso eindeutig nicht auf deren Tod. Kay vertraut auch hier der Wirkung der Zitatmontage und geht mit keinem Wort auf die in meinen Beiträgen angesprochene Befehlslage zu den Ernährungssätzen ein, auf die Intervention der Armeeführung bei Hitler und dessen Entscheidung, die Versorgung der Kriegsgefangenen weiter zu verbessern. Obendrein scheint es ihm unbekannt zu sein, daß Kriegsgefangene aus den eroberten Gebieten in der Ukraine in den ersten Wochen des Rußlandfeldzugs umgehend nach Hause entlassen wurden, um in der Landwirtschaft beim Einbringen der Ernte zu helfen.

Von einer logistischen Katastrophe beider Kriegsparteien im Sommer und Herbst 1941 ist Kay ebenfalls nichts bekannt, wie er schreibt. Tatsächlich meldete der Kiewer Militärbezirk bereits im April 1941, daß dort keinerlei Vorräte mehr vorhanden seien, um weitere eintreffende Einheiten der Roten Armee ernähren zu können. Dessen ungeachtet fand in den Folgemonaten in diesem strukturschwachen Gebiet die weitere Verstärkung einer Streitmacht statt, wie sie die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte. Als nach dem deutschen Angriff die Militäroperationen und die sowjetische Politik der Verbrannten Erde die Region verwüsteten, brach die bisher spärliche Versorgung der sowjetischen Einheiten völlig ein. Dem entsprachen Versorgungsmängel auf deutscher Seite, wo manche Wehrmachtseinheiten ebenfalls wochenlang nicht versorgt werden konnten.

Diese logistische Katastrophe kostete ungezählte Menschen das Leben, die weder vor Ort ernährt noch weggebracht werden konnten. Wer diesen Zusammenhang völlig abstreitet, leugnet bekannte Fakten und nimmt vom gegenwärtigen Forschungsstand nur Bruchstücke zur Kenntnis. Vielleicht ist dies auch Alex J. Kays Hauptproblem.

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